Wählen Sie Ihr Anlegerprofil:

Dieser Inhalt ist nur für Anleger mit folgendem Profil bestimmt: Finanzintermediär und Institutioneller Investor

Sind Sie ein Privatanleger?

Schwellenländer

Schwellenländeranleihen: eine Oase in unsicheren Zeiten

 
Dezember 2017

Von Alain-Nsiona Defise, Head of Emerging Corporates

Schwellenländeranleihen können attraktive Renditen bringen und mit einer niedrigen Volatilität aufwarten, auch wenn sich für andere Anleihen die Aussichten verdüstern, so Alain-Nsiona Defise

Die Pictet-Emerging Corporate Bonds-Strategie gibt es jetzt seit fünf Jahren. Wie hat sich die Anlageklasse in dieser Zeit verändert?

Die offensichtlichste Veränderung ist schnelles Wachstum. Der Markt für Schwellenländeranleihen ist seit 2012 um mehr als 50% auf 1,4 Bio. USD angewachsen (siehe Diagramm). Dies ging mit einer Diversifizierung des Universums einher: Die Anlageklasse wird durch mehr Unternehmen und mehr Länder als je zuvor repräsentiert. Zudem wird der Markt immer grösser und bietet immer mehr Chancen, sodass Anleger ihn gar nicht mehr übersehen können.

Eine grosse Anlagechance mit viel Wachstumspotenzial

In Umlauf befindliche Unternehmensanleihen aus Schwellenländern (geschätzt, in Mrd. USD)

Zuflüsse in Schwellenländer
Quelle: Bank of America Merrill Lynch, Stand 31.10.2017

Aber Grösse ist nicht alles. Es gibt noch weitere, subtilere – aber nicht weniger wichtige – strukturelle Veränderungen. Der Markt ist reifer geworden hinsichtlich der Art, wie er auf lokale Krisen reagiert. Was vor Jahren noch allgemeine Panik ausgelöst hätte, wird jetzt meist als isoliertes Ereignis betrachtet. Als Anfang des Jahres Probleme in Russland und Brasilien auftraten, blieb der übrige Markt davon weitgehend unberührt. Dieser Rückgang des systemischen Risikos ist sehr wichtig für die Widerstandskraft und Stabilität von Schwellenländeranleihen insgesamt.

Ein Grossteil des jüngsten Wachstums des Markts ging von Asien aus. Woran liegt das und was bedeutet dies für die Anleger?

Im Wachstum Asiens spiegeln sich tiefgreifende Veränderungen im Verhalten und in den Bedürfnissen der Unternehmen und Anleger der Region wider. Auf der einen Seite hat sich die Zahl potenzieller Anleiheemittenten erhöht, weil die Wirtschaft in der Region gewachsen ist und private Unternehmen jetzt mehr Handlungsfreiheit haben. Auf der anderen Seite hat auch die Nachfrage rasch zugenommen. Kapitalkräftige asiatische Anleger wollen die relative Stabilität von Anlagen, die auf fremde Währungen lauten, und gleichzeitig an ihrem Heimatmarkt anlegen, weil sie mit den dortigen Gepflogenheiten vertraut sind.

Der Aufstieg Asiens war und ist für Schwellenländeranleihen insgesamt sehr positiv. Asiatische Unternehmen haben in der Regel höhere Ratings als vergleichbare Unternehmen in anderen Regionen und diesen Vorteil haben sie in den letzten fünf Jahren ausgebaut. Zudem sind die Ausfallquoten sehr niedrig – und nicht nur im Vergleich zu anderen Emittenten aus Schwellenländern. Seit 2013 sind die Ausfallquoten bei spekulativen asiatischen Emittenten niedriger als bei ihren Pendants in den USA. Für die Anleger bedeutet der Aufstieg Asiens nicht nur eine grössere Diversifizierung, sondern auch stabilere Renditen.

Das globale Umfeld verschlechtert sich für Anleihen, weil die Zentralbanken beginnen, die geldpolitischen Impulse zurückzuschrauben. Was bedeutet das für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern?

Die Schwellenländer kommen den Anlegern vielleicht nicht als erstes in den Sinn, wenn sich die Lage verschlechtert, aber Schwellenländeranleihen sind bestens positioniert, um Turbulenzen am breiteren weltweiten Anleihenmarkt zu überstehen und sich als attraktive Quelle für Ertrag und Kapitalzuwachs zu behaupten. Zudem ermöglichen sie eine sinnvolle Diversifizierung. 

Attraktiver Wert

Spread pro Hebel, Basispunkte/Verschuldungsgrad: Unternehmensanleihen Schwellenländer und USA 

Spreads von Schwellenländeranleihen

Quelle: Bank of America Merrill Lynch, Stand 31.10.2017 

Das liegt daran, dass solche Wertpapiere im Allgemeinen kürzere Laufzeiten und höhere Kupons als andere gängige Anleiheformen haben. Dadurch ist ihre Duration – bzw. Sensitivität gegenüber steigenden Zinssätzen – mit 4,9 Jahren niedriger als bei auf US-Dollar lautenden Schwellenländer-Staatsanleihen (6,9 Jahre) und US-amerikanischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen (7,4 Jahre).1 Eine niedrige Duration dürfte wertvollen Schutz bieten, da die US-Notenbank und andere grosse Zentralbanken in den Industrieländern ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten und Jahren straffen werden.

Hinzu kommt, dass das wirtschaftliche Umfeld für die Schwellenländer äusserst günstig ist. Unser Economics Team geht davon aus, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer 2018 real um 5,0% wachsen werden – mehr als doppelt so viel wie für die Industrieländer prognostiziert.

Darüber hinaus sind die Preise für Schwellenländeranleihen nicht so übertrieben hoch wie bei anderen festverzinslichen Anlageklassen. Das bedeutet, dass sie steigende Renditen auffangen und weiter attraktive Renditen erwirtschaften können. Eine unserer Bewertungsmethoden besteht darin, die Spreads pro Hebel zu analysieren – bzw. uns die Frage zu stellen, wie viel Rendite die Anleger im Verhältnis zur Verschuldung des Unternehmens erhalten. Auf dieser Grundlage bieten diese Anleihen gleichbleibend besseren Wert als US-Unternehmensanleihen (siehe Diagramm). Und da Unternehmensanleihen aus Schwellenländern kein homogenes Universum sind, haben einige Regionen sogar noch mehr Wert zu bieten, wie zum Beispiel einige lateinamerikanische Anleihen mit B-Rating.

Nicht zuletzt ist die Anlegerbasis sehr solide. Sie wird von institutionellen Anlegern beherrscht, die in der Regel einen längeren Anlagehorizont haben. Potenziell volatile börsengehandelte Fonds (ETFs) hingegen machen nur einen kleinen Teil des Markts für Schwellenländeranleihen aus.

Wo sehen Sie bei Schwellenländeranleihen die attraktivsten Chancen für nächstes Jahr?

Wir betrachten unser Portfolio als Fussballmannschaft – ein Mix aus Positionen mit verschiedenen Merkmalen, die – wenn sie richtig kombiniert werden – die bestmöglichen Ergebnisse bringen.

Die richtigen Spieler auswählen

Auswahl der Investment-Positionen der Pictet-Emerging Market Credit-Strategie

team_positioned.jpg
Quelle: Pictet Asset Management, Stand 30.11.2017

In unserer Aufstellung setzt sich die Verteidigung – oder der Anker für unser Portfolio – unter anderem aus nicht-zyklischen Unternehmen wie saudi-arabischen Versorgern, deren Bonität und Fähigkeit zur Erwirtschaftung eines stabilen Cashflows auch in Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs stark sein dürften, zusammen. Das Mittelfeld besteht aus Emittenten, die mittelfristig ein höheres Potenzial für Kapitalwachstum bieten, wie zum Beispiel Konsumgüter und Bergbau. Unsere Stürmer schliesslich sind unsere anspruchsvolleren Engagements, die langfristig das grösste Potenzial aufweisen, aber auch etwas risikoreicher sind. Zu nennen sind hier insbesondere nigerianische Finanzunternehmen. Sie haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie erfolgreiche Anleiheemittenten sind, attraktive Fundamentaldaten vorweisen können und mit Ölpreisschwankungen zurechtkommen, was man von anderen Bereichen des nigerianischen Anleihenmarkts nicht unbedingt behaupten kann.

In den letzten fünf Jahren ist der Markt für Schwellenländeranleihen gewachsen, hat sich diversifiziert und ist gereift. Er hat auch bewiesen, dass er in der Lage ist, neben Kapitalgewinnen attraktive Erträge zu erwirtschaften. Unserer Ansicht nach dürfte das Potenzial für die nächsten fünf Jahre mit der richtigen Investment-Aufstellung sogar noch grösser sein.