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Anleihen und das Ende der lockeren Geldpolitik 

Warum Anleger keine Angst vor hohen Anleiherenditen haben müssen

  
Mai 2018

Von Andres Sanchez Balcazar, Head of Global Bonds

Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen haben die Marke von 3% überschritten – Anleiheanlegern stehen schwierige Zeiten bevor. Flexibilität und ein längerer Anlagehorizont können ordentliche Renditen bescheren.

Die Anleihe-Bären sind los! Jetzt, wo die Renditen der als Massstab dienenden 10-jährigen US-Staatsanleihen das erste Mal seit 2014 die Marke von 3% geknackt haben, könnte uns eine waschechte Marktkorrektur bevorstehen.

Anleiheanleger machen sich verständlicherweise Sorgen wegen höherer Zinssätze – nicht zuletzt, weil die Renditen in den letzten 35 Jahren fast die ganze Zeit nach unten tendierten.

Aber das heisst nicht, dass Anleihen in die Verbannung geschickt werden sollen. Auch wenn die Zeit des leichten Geldes bald vorbei sein dürfte, lassen sich mit Schuldpapieren weiterhin Erträge erzielen und sie bieten Stabilität in einem diversifizierten Portfolio.

Um zu verstehen warum, sollte klar sein, dass nicht zählt, ob man in Anleihen investiert, sondern wie man in sie investiert.

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass sich Anleihenfonds für Anleiheanleger langfristig immer auszahlen. 

Faktor Zeit
Anfangsanleiherendite im Vergleich zur annualisierten realen Rendite über einen Zeitraum von 5 Jahren
Rendite 10-jährige US-Staatsanleihe
Quelle: Pictet Asset Management, Thomson Reuters Datastream. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 30.12.1988–30.04.2018.

Auch wenn höhere Zinssätze Kapitalverluste bei bestehenden Anleiheanlagen mit sich bringen können, sind gleichzeitig höhere Renditen bei neuen Anleihen möglich.

Anleihenfonds funktionieren folgendermassen: Wenn die Zinssätze steigen, können die Erlöse aus fällig werdenden Anleihen in neue Papiere mit höheren Renditen reinvestiert werden. Das zahlt sich mit der Zeit aus: Historische Analysen unseres Strategieteams belegen bei einem Anlagehorizont von fünf Jahren eine positive Korrelation zwischen Anfangsrendite und realen Renditen (siehe Abbildung).

Hinzu kommt: In den dreissig Jahren bis 1981 – die richtungsweisenden US-Staatsanleihen legten um mehr als das Fünffache auf weit über 15% zu, so dass die Anleihenpreise fielen – waren die durchschnittlichen Jahresrenditen der Staatsanleihen weiter positiv. Es ist also davon auszugehen, dass auch dieses Mal die Performance nicht beschädigt wird, vor allem, weil der Renditeanstieg weitaus moderater ausfallen dürfte.

Nach allen Seiten Ausschau halten

Der zweite Verbündete des Anleiheanlegers ist die Diversifizierung.

In der Vergangenheit hatten Portfolios, die nicht auf bestimmte Regionen beschränkt oder an Benchmarks oder Anlagetypen gebunden waren, viel grössere Chancen, sicher durch schwierige Märkte zu steuern.

Durch die Verteilung der Investments auf ein grösstmögliches Spektrum an Anlagen und Währungen sowie konsequentes Risikomanagement lässt sich die Performance steigern.

Beim Pictet-Absolute Return Fixed Income Fund zum Beispiel halten wir die globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für risikoreichere Anlageklassen weiterhin für positiv. Wenngleich das Wachstum Ende 2017 offensichtlich seinen Höhepunkt erreicht hat, ist es immer noch robust und die Inflation ist nach wie vor recht gedämpft.

Ein solches Umfeld wirkt sich positiv auf bestimmte Bereiche des Anleihenmarkts aus, wie z. B. auf US-Dollar lautende Schwellenländeranleihen. Diese Strategie verfolgen wir schon lange in unserem Portfolio. Sie kommt auch beim strukturellen Thema der wirtschaftlichen Verlagerung Chinas in Richtung Binnenkonsum zum Tragen. In den kommenden drei bis fünf Jahren dürfte sich diese Entwicklung in einer niedrigeren potenziellen Wachstumsrate, einer geringeren Nachfrage nach Rohstoffen und einer Liberalisierung des Wechselkurses niederschlagen.

Hier besteht die Gefahr, dass sich das Wachstum zu stark abkühlt, aber die chinesischen Währungshüter scheinen das einkalkuliert zu haben. Die überraschende Senkung des Mindestreservesatzes im vergangenen Monat ist ein weiterer Beleg, dass Peking bei Bedarf jederzeit bereit ist, konjunkturbelebende Massnahmen zu ergreifen.

Chancenreiche Kurve

Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen US-Staatsanleihen, Basispunkte

Renditeabstand, 5- und 30-jährige US-Staatsanleihen
Quelle: Pictet Asset Management, Thomson Reuters Datastream. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 04.01.2000–01.05.2018.

In den Industrieländern hingegen sind die Zentralbanken in Straffungslaune. Dadurch ergeben sich Chancen für Renditekurvenstrategien, die Veränderungen bei Renditen und Zinserwartungen nutzen und bei denen gezielt auf Zeit gesetzt wird.

Nehmen wir als Beispiel die USA. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die US-Notenbank aufgrund der robusten Wirtschaft an ihrem Straffungskurs festhalten – vorerst. Solange der Arbeitsmarkt stark ist, sind 2018 nach wie vor drei weitere Zinsanhebungen wahrscheinlich.

Die Fed von ihrem geldpolitischen Kurs abzubringen, ist ungefähr so, als wollte man ein Containerschiff zum Kurswechsel bewegen – das braucht Zeit und Absprache. Mittelfristig aber ist es durchaus möglich, dass die geldpolitische Straffung in den USA früher endet als von den Märkten momentan erwartet – das sollten Anleger beachten. Sollten die US-Zinssätze zum Ende dieses Jahres und nicht erst 2019 ihren höchsten Stand erreichen, könnten Anleihen mit kürzerer Laufzeit zulegen und an Langläufern vorbeiziehen. Dadurch würde die Zinskurve steiler werden (siehe Abbildung). Es besteht auch die Möglichkeit, Zinsswaps einzusetzen.

Fazit: Auch wenn die US-Staatsanleihen die für manche Anleger als psychologische Schmerzgrenze wahrgenommene Marke von 3% überschritten haben, sind wir überzeugt, dass die Anleihenmärkte mit dem richtigen Ansatz langfristig weiterhin Chancen für attraktive risikobereinigte Renditen bieten – solange man weiss, welche Märkte sich lohnen, und wo flexibel gehandelt werden kann.