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Technologiebranche: gleich und doch anders

November 2017

Technologiewerte boomen wieder. Das bedeutet aber nicht, dass es zu einer Neuauflage der Internetblase kommen wird.

Aufstieg, Fall ... und wieder Aufstieg. Weltweite Technologieaktien haben allein in diesem Jahr über 40 % zugelegt und sind jetzt 56 % mehr wert als vor ihrer berühmt-berüchtigten Talfahrt im Jahr 2000 [1].

Bedeutet dies, dass uns wieder ein Einbruch bevorsteht?

Wir denken nicht. Ein Großteil der heutigen Technologie – angefangen bei teilautonomen Fahrzeugen bis hin zu WLAN-gesteuerten Kühlschränken und Waschmaschinen oder auch Roboterchirurgie – unterscheidet sich sehr stark von der Technologie, wie sie vor 20 Jahren verfügbar war. Gleiches gilt für die Gewinn- und Verlustrechnungen der IT-Unternehmen. Damals leistete die Internetbranche einen Nettobeitrag von nahezu null am operativen Gesamtergebnis der Aktien im MSCI World. Heute liegt der Beitrag bei 6-7 % [2].

Das ist nicht der einzige Unterschied zur Ära der Dotcom-Blase.  Technologiefirmen werden heute nicht mehr ausschließlich auf Grundlage der Anzahl der abgeschlossenen Kundenverträge bewertet, sondern auch anhand traditionellerer Kennzahlen wie den Umsatzerlösen. Gleichzeitig bringen die Kunden viel mehr Geld, da Milliarden Menschen mobile Geräte nutzen.

Die KGVs belegen diese Entwicklung. Das KGV der weltweiten Technologiebranche liegt bei 21 und damit leicht über dem Gesamtmarkt. Von einer Blase ist die Branche aber weit entfernt, vor allem wenn man bedenkt, dass das KGV vor der Internetblase bei 67 lag [3].

Technologiebranche liegt beim Ertragswachstum vorn
Ertragswachstum: MSCI World IT Index im Vergleich zum MSCI World Index, % seit 1995
Technologie-Boom
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Daten vom 31.10.2017

Die Berichtssaison zum dritten Quartal ist in vollem Gange. Den Prognosen zufolge dürften IT-Unternehmen ein Gewinnwachstum von 23,5 % gegenüber dem Vorjahr verzeichnen – das zweithöchste aller S&P 500-Branchen [4].

Die Aussichten für die künftigen Gewinne sind ebenfalls positiv: Kein Wunder, dass die Analysten ihre Prognosen für Technologiewerte kontinuierlich nach oben korrigieren.

Und noch ein entscheidender Unterschied zu der undifferenzierten Euphorie des damaligen Dotcom-Hypes: Liquidität ist zum obersten Gebot geworden. In den USA stammen alle der fünf kapitalstärksten Unternehmen aus der Technologiebranche, die 2016 48 % des gesamten zahlungsunwirksamen freien Cashflows erwirtschaftete [5].

In der enormen Verbesserung der Positionierung der Technologiebranche spiegelt sich wider, wie weit die Welt auf dem Pfad der Digitalisierung schon gekommen ist. Rund 3,7 Milliarden Menschen sind Internetnutzer und es wird damit gerechnet, dass es 2021 4,6 Milliarden sein werden, das entspricht über der Hälfte der Weltbevölkerung [6]. Allein der KI-Markt soll den Prognosen zufolge bis 2025 auf 127 Mrd. USD anwachsen; 2015 waren es gerade mal 2 Mrd. USD [7].

Aus all dem ergeben sich vielfältige Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten für gut positionierte Unternehmen.

Die Kunst, die Gewinner aufzuspüren

Die Anleger sollten aber nicht selbstgefällig werden. Bei neuen Technologien ist es oft ein weiter Weg von der Entwicklung bis zur Marktreife, außerdem besteht die Gefahr, dass zu früh investiert wird.

Quantencomputing ist so ein Beispiel. Die Technologie verspricht, Computer noch schneller und intelligenter zu machen, indem die Fähigkeit subatomarer Teilchen genutzt wird, sich in mehreren Zuständen gleichzeitig zu befinden. Ich denke jedoch, dass ein Quantenprozessor oder -computer frühestens in fünf Jahren in den Handel kommen wird – viele Early Innovator bleiben möglicherweise auf der Strecke, bevor sich die Technologie überhaupt etabliert hat.

Auf der anderen Seite sind autonome Fahrzeuge zum Teil bereits Realität, denken wir nur an die Fahrerassistenzsysteme bei den Autos der neuen Generation. Es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis es komplett fahrerlose PKWs, LKWs und Busse geben wird – und dann sicherlich weitere Jahre, bis sie massenmarkttauglich sind.

Ein weiterer Aspekt sind die Möchtegern-Technologiespezialisten. 

Heutzutage tut fast jedes Unternehmen so, als wäre es in irgendeiner Form Teil der technologischen Revolution. In Wirklichkeit verdienen nur relativ wenige Unternehmen tatsächlich Geld mit den neuesten Innovationen. Auch die Regulierung ist nicht zu unterschätzen. Die starke Marktdominanz der führenden Player der Technologiebranche wird wahrscheinlich zu strengeren Vorschriften zur Förderung des Wettbewerbs und zum Schutz der Verbraucher führen.

Zweifellos ist das Technologiesegment infolge der starken Zuflüsse in Technologiefonds leicht überlaufen. Aber auch der Chancenpool wird größer, da Unternehmen aus Schwellenländern die Tech-Welt aufmischen. Technologie ist mittlerweile die wichtigste Branche in Schwellenländern; auf sie entfallen 27,6 % des MSCI Emerging Markets Index – vor zehn Jahren waren es nur etwa 10 % [6].

Solange die Kursanstiege mit höheren Gewinnen einhergehen, entwickelt sich Technologie unserer Ansicht nach in die richtige Richtung. Es wird natürlich zwangsläufig Gewinnmitnahmen oder Marktkorrekturen geben, wie schon 2016. Aber für langfristig orientierte Anleger, die bereit und in der Lage sind, Volatilität auszusitzen, dürfte die Zukunft rosig sein.