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Die Resilienz von Familienunternehmen kann in Zeiten volatiler Märkte sehr hilfreich sein

Oktober 2020

In turbulenten Zeiten müssen Familienunternehmen einige Kernprinzipien beachten

Als Professor für Family Business & Entrepreneurship an der IMD Business School in Lausanne beschäftigt sich Peter Vogel mit den einzigartigen Feinheiten von Familienunternehmen in aller Welt.

Viele der Unternehmen, die er untersucht und mit denen er zusammenarbeitet, bestehen schon seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten.

Im Laufe der Zeit hat er erkannt, dass häufig immer wieder dieselben grundlegenden Themen und Herausforderungen auftauchen. 

Damit meint er, dass sich jedes Familienunternehmen mit bestimmten Belangen auseinandersetzen muss, unabhängig von Land, Branche oder Kontext, denken wir u.a. nur an Nachfolgeplanung, Familienkonflikte, Professionalisierung und Governance. Eine andere Sache, die Peter Vogel herausgefunden hat, ist, dass „Wandel und Disruption allgegenwärtig sind; soziale, technologische, ökologische, wirtschaftliche und politische Kräfte wirken ständig im Marktumfeld und diese Kräfte sind eine Herausforderung für jedes Unternehmen, ob Familienunternehmen oder nicht“. 

Eine grosse Disruption – COVID-19 – hat unsere Sicht auf das Jahr 2020 bereits stark beeinflusst. Auch wenn die charakteristischen Merkmale dieser Krise neu sind, ist aus Peter Vogels wissenschaftlicher Perspektive klar, dass die Unternehmen zwei grundlegende Attribute aufweisen müssen, um diesen Sturm zu überstehen: Resilienz und Anpassungsfähigkeit.

Konkret heisst das: 

Sich während der Krise behaupten und neuen Trends Rechnung tragen und die Chance nutzen, sich selbst zu transformieren und stärker aus der Krise hervorzugehen.

Peter Vogel hat diese Erkenntnis auf sein Spezialgebiet Familienunternehmen übertragen und dabei sechs Attribute identifiziert, die erfolgreiche Mehrgenerationen-Familienunternehmen auszeichnen und ihnen helfen, Krisen zu bewältigen. Diese sind: Langfristiges Denken, finanzielle Umsicht, eine tiefe emotionale Bindung der Inhaber zum Unternehmen, tief verwurzelte Werte und Loyalität gegenüber den Mitarbeitenden, unternehmerische Erneuerung sowie Philanthropie und CSR.

Die meisten dieser Attribute müssen nicht näher ausgeführt werden – es ist klar, dass z. B. eine auf 30 Jahre statt immer nur auf ein Vierteljahr ausgelegte Vision ein Unternehmen robuster macht, ebenso wie eine nicht allzu hohe Verschuldung. Einige dieser Attribute müssen allerdings  näher beleuchtet werden. „Unternehmerische Erneuerung“ beispielsweise bezieht sich darauf, dass die nächste Generation oftmals frische Ideen und Methoden in das Familienunternehmen einbringt – eine Art natürliche Revitalisierung. Beim Attribut „Philanthropie und CSR“ verweist Peter Vogel auf aktuelle Beispiele von Familienunternehmen, die „ihre Produktion schnell an den Bedarf angepasst haben; diese Mentalität, dass „wir in dieser Krisensituation etwas Sinnvolles machen können“, das ist etwas, das einem inhabergeführten Unternehmen leichter fällt“.

Sechs Attribute, die erfolgreiche Mehrgenerationen-Familienunternehmen auszeichnen
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Das sind Attribute, die einem Unternehmen helfen, Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu entwickeln; sie sind in jeder Form von Krise hilfreich – und es sind Attribute, die viele Familienunternehmen gemeinsam haben.

Peter Vogel weist jedoch sofort darauf hin, dass Familienunternehmen auch mit verschiedenen „internen Herausforderungen“ konfrontiert sind, die sie in Zeiten von Disruption verletzbarer machen. Die aktuelle Pandemie bildet dabei keine Ausnahme. Governance, also die Unternehmensführung, ist ein entscheidendes Thema. Viele Familienunternehmen, so Peter Vogel, werden von einem dominanten Patriarchen oder einer Matriarchin geleitet, der oder die das Unternehmen schon seit Jahrzehnten führt und oftmals einer älteren Generation angehört. Erkrankt diese Person dann an COVID-19, verliert das Unternehmen von heute auf morgen seinen Hauptentscheidungsträger, was sehr nachteilige Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb haben kann. Auch „fehlt es vielen Familienunternehmen an voll professionalisierten Vorständen und die Führungspositionen sind teilweise mit Familienmitgliedern besetzt“, so Vogel weiter. Solche Unternehmen sind möglicherweise nicht gut aufgestellt, um in Krisenzeiten effiziente Entscheidungen zu treffen. „So können sich Familienunternehmen, die ihre Unternehmensführung nicht professionalisiert haben, in grossen Schwierigkeiten wiederfinden“, sagt Peter Vogel.

Eine weitere interne Herausforderung sind die Auswirkungen, die eine Krise auf den Zusammenhalt der Familie haben kann. „Wenn es in einer Familie ohnehin schon Spannungen und Konflikte gibt, verschärfen sich diese in Zeiten wie diesen“, so Vogel. Die Besonderheiten unserer aktuellen Krise tragen das ihrige dazu bei, die Probleme zu verschärfen: „Wie können wir den Zusammenhalt und das Vertrauen innerhalb der Familie in Zeiten sicherstellen, in denen wir uns nicht treffen können?“ Und eine letzte Herausforderung, die Peter Vogel nennt, ist diejenige, dass die Öffentlichkeit und die Medien möglicherweise den Fokus auf wohlhabende Familien lenken, wenn es dem Land selbst gerade schlecht geht und „ Familien mit Vermögen plötzlich veranlasst werden, ihre soziale Verantwortung durch Philanthropie oder CSR zu überdenken“. Zu diesen Herausforderungen kommt hinzu, so Vogel, dass die Welt immer komplexer wird und sich in immer schnellerem Tempo wandelt.

Er ist dennoch zuversichtlich, dass Familienunternehmen auch in den kommenden Jahren erfolgreich sein werden, da sie grundsätzlich mit den Mitteln und Möglichkeiten ausgestattet sind, um mit Disruption und Schocks gut zurechtzukommen und aus ihnen stärker hervorzugehen als andere Unternehmen. Mitunter sind hierfür neue Denkansätze nötig. Anpassungsfähigkeit bedeutet auch, bereit zu sein, sich aus einer nicht florierenden Branche zurückzuziehen, ja sogar ganz neue geschäftliche Wege zu gehen. Das ist sicherlich nicht einfach, aber in unserer zunehmend turbulenten Welt ist eine solche mutige Anpassungsfähigkeit unabdingbar.

Peter Vogel sagt: „Ich denke, dass grundsätzlich jedes Unternehmen einen Sturm überstehen kann.“ Auch den aktuellen.