I am Article Layout


Wählen Sie Ihr Anlegerprofil:

Dieser Inhalt ist nur für Anleger mit folgendem Profil bestimmt: Finanzintermediär und Institutioneller Investor

Sind Sie ein Privatanleger?

EM Monitor – Auswirkungen von COVID-19 auf die Arbeitsmärkte in den Schwellenländern

Oktober 2020

Kolumbien und Peru im Griff der COVID-19-Wirtschaftskrise

Angesichts der COVID-19-Krise hat die Arbeitslosigkeit in Peru und Kolumbien zugenommen. Wir untersuchen, wie die Regierungen der beiden Länder sich der Herausforderung stellen.

Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie vor COVID-19

Kolumbien und Peru stechen von allen Schwellenländern hervor, weil ihre Arbeitslosenquote sprunghaft angestiegen ist (Abb. 1). Knapp jeder Fünfte ist in Kolumbien arbeitslos und in Peru ist die Arbeitslosenquote von 6,8% im Dezember 2019 auf 17,1% gestiegen, basierend auf den aktuellen Daten.
Abb. 1 –  Arbeitslosenquote Schwellenländer: Aktuell im Vergleich zu Dezember 2019
Abb. 1 –  Arbeitslosenquote Schwellenländer: Aktuell im Vergleich zu Dezember 2019

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Bloomberg, 30.09.2020

Blick über die Arbeitslosenzahlen hinaus

Wir gehen aus folgenden Gründen davon aus, dass sich der Ausblick für den Arbeitsmarkt verschlechtern wird:

  1. Die aktuellen Zahlen berücksichtigen die Unterbeschäftigung nicht oder nur teilweise.
  2. Niedrigere Erwerbsbeteiligungsquoten1 haben die Arbeitslosenquoten nach unten gezogen. Mit anderen Worten, wäre die Beteiligungsquote konstant geblieben, wäre die Arbeitslosenquote viel höher.

In Kolumbien ist die Erwerbstätigenbeteiligung stark gesunken (Abb. 2), von 63,2% im Februar auf 51,8% im April; dabei blieb eine grosse Anzahl von Personen in den Arbeitslosenzahlen unberücksichtigt. Im August gab es im Vergleich zum Februar landesweit geschätzt 2,7 Millionen weniger Arbeitsstellen und 1,7 Millionen mehr nicht Erwerbstätige2. Wären alle Arbeitskräfte auf diesem Beschäftigungsstand erwerbstätig geblieben, wäre die Arbeitslosenquote höher als die aktuell 19,6%.

Abb. 2 – Kolumbien: Arbeitslosenquote & Erwerbsbeteiligungsquote
Abb. 2 – Kolumbien: Arbeitslosenquote & Erwerbsbeteiligungsquote

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Bloomberg. Arbeitslosenquote bis Juli 2020; Beteiligungsquote bis August 2020. 

In Peru haben zwischen Februar und Juni 7 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, sodass die Arbeitslosenquote im Juni auf 16,7% gestiegen ist. Gleichzeitig sind 6,8 Millionen Menschen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Die Arbeitslosigkeit würde aktuell die 43% übertreffen, wären diese Arbeitskräfte noch als erwerbslos berücksichtigt3

Kleinere Unternehmen (bis 10 Arbeitnehmer) waren am stärksten betroffen – die Beschäftigungszahlen fielen im freien Fall um 65,5% gegenüber dem Stand vor einem Jahr. Im Vergleich dazu sanken die Beschäftigungszahlen in grösseren Unternehmen (mehr als 50 Arbeitnehmer) um 36,5% gegenüber dem Stand vor einem Jahr. 

Sich der Herausforderung stellen ...

In Kolumbien hängt die schwache Arbeitskräftenachfrage mit der Wirtschaftsaktivität zusammen, die durch weitere Lockdowns in den Städten ausgebremst wurde. Die Erholung an den städtischen Arbeitsmärkten schwankt daher besonders.

Ein Drittel der fiskalischen Impulse (2,5% des BIP) fliesst in Programme zur Erhaltung von Arbeitsplätzen (Abb. 3). Beispielsweise werden angeschlagenen KMUs Kredite gewährt und die Fristen für Ertragssteuerzahlungen verlängert und bei Unternehmen mit 20% Einnahmeverlust übernimmt der Staat bis zu drei Monate einen Teil der Gehaltskosten.

Die nationalen Umfragedaten zur Lage am Arbeitsmarkt von August zeigen einen Anstieg der Beteiligungsquote um 59,3%. Die Zahlen nähern sich damit wieder ihrem Stand vor der Pandemie an. Die Wiederöffnung weiterer Sektoren wirkte sich deutlich positiv auf die Beschäftigung aus.

Abb. 3 – Veränderung der Arbeitslosenquote (Dezember 2019 bis Juni 2020) & Fiskalausgaben
Abb. 3 – Veränderung der Arbeitslosenquote (Dezember 2019 bis Juni 2020) & Fiskalausgaben

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Bloomberg.

In Peru fliessen nur 5% der fiskalischen Impulse (4,6% des BIP) in Programme zur Erhaltung von Arbeitsplätzen. Neben Steuererleichterungen und anderen Massnahmen, die zur Unterstützung von Unternehmen und der ärmeren Bevölkerung ergriffen wurden, hat die Regierung das Programm „Arranca Peru“ (was so viel wie „Peru startet den Motor wieder“ bedeutet) ins Leben gerufen, das 1,8 Mrd. US-Dollar für die Wiederbelebung der Wirtschaft vorsieht. Ziel ist es, mehr als 1 Million Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor in Bereichen wie Verkehr, Kommunikation und Wohnungsbau zu schaffen.

Während der Gesundheitskrise sind enorm viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Nur ein Teil dieser Arbeitsplatzverluste konnte in den letzten Monaten wieder ausgeglichen werden, und nicht zu denselben Bedingungen. Die Normalisierung der Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich in diesem Jahr weiter fortsetzen, aber die Verschlechterung der Bedingungen belastet die Löhne und die Ausgaben der privaten Haushalte.

Stéphane Couturier für Pictet

EINSCHÄTZUNG UNSERES SPEZIALISTENTEAMS FÜR SCHWELLENLÄNDERANLEIHEN

Von Mary-Therese Barton, Head of Emerging Market Debt

Trotz der Herausforderungen in der Region, wie oben am Beispiel zweier Länder geschildert, sind wir der Ansicht, dass Lateinamerika aus folgenden wichtigen Gründen weiterhin langfristige Investmentchancen bietet:

  • Auch wenn LATAM eine der am stärksten durch COVID-19 betroffenen Regionen ist, erholt sich das Wirtschaftswachstum langsam wieder, liegt aber noch hinter dem anderer Schwellenländer zurück.
  • Die Region hat eine umfangreiche fiskal- und geldpolitische Unterstützung zur Verfügung gestellt, die der wirtschaftlichen Erholung weiterhin zugute kommt.
  • Die Zentralbanken in Lateinamerika nähern sich dem Ende ihres Lockerungszyklus und es gibt nur wenig Raum für weitere geldpolitische Impulse. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Zinssätze noch einige Zeit an der unteren Leitzinsgrenze bewegen werden.
  • Das verarbeitende Gewerbe erholt sich schnell (siehe Abbildung unten).
  • Dass die Erholung in den USA schneller vonstatten geht als erwartet, könnte ebenfalls zuträglich sein.

Auf Länderebene hat sich in Brasilien die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe in den vergangenen drei Monaten verbessert, trotz eines Rückgangs im September (Veränderung 1 Monat). Wir müssen jedoch das grösser werdende Haushaltsdefizit im Auge behalten.

Die fiskalischen Massnahmen in Mexiko griffen im Allgemeinen gut. Das Land hat ein relativ kleines Haushaltsdefizit und die Daten für das verarbeitende Gewerbe verbessern sich auch langsam.

PMIs für das verarbeitende Gewerbe nach Region
PMIs für das verarbeitende Gewerbe nach Region

Quelle: Bloomberg, Pictet Asset Management, 01.10.2020. 
* +/-50: Ein Indexstand über 50 bedeutet einen Anstieg in den verarbeitenden Sektoren und ein Indexstand unter 50 einen Rückgang.