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EM Monitor – Wie grosse Erdöl exportierende Länder auf den fallenden Ölpreis reagieren

Juli 2020

Welche Erdöl exportierenden Länder sind angesichts fallender Ölpreise am stärksten gefährdet?

Diesen Monat beschäftigt sich Senior Economist Sabrina Khanniche mit 12 grossen Nettoexporteuren von Erdöl, die am anfälligsten sind.

Die Ölpreise fielen in der ersten Jahreshälfte 2020 um 36 Prozent1, da die Nachfrage nach Rohöl infolge der COVID-19-Pandemie eingebrochen war. Dies stellt nicht nur ein Rezessionsrisiko für die grösseren Erdöl-Exporteure dar, sondern erhöht auch das Risiko, dass ein grosses Leistungsbilanzdefizit entsteht.

Anfälligkeit für die Ölpreisentwicklung

Unsere Anfälligkeits-Scorecard für die Ölpreisentwicklung lässt erkennen, dass der Oman, Kasachstan und Kolumbien die anfälligsten Länder der Gruppe sind (siehe Abb. 1). Bleiben die Preise für längere Zeit niedrig, hätte dies ein höheres Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizit zur Folge und würde Druck auf die Währungen dieser Länder ausüben. Das anfälligste Land, der Oman, weist seit 2014 ein zweifaches Defizit auf.

Aber nicht alle Länder sind gleich stark betroffen. Russland und Saudi-Arabien sind nach unserem Ranking am wenigsten anfällig.

Starke Unterschiede zwischen den grösseren Erdöl-Exporteuren
Abb. 1 – Pictet Asset Management Anfälligkeits-Scorecard für die Ölpreisentwicklung
Abb. 1 – Pictet Asset Management Anfälligkeits-Scorecard für die Ölpreisentwicklung

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Bloomberg, BP; Juli 2020. Daten aus 2020 wurden für den externen Breakeven-Preis und die Leistungsbilanz basierend auf Prognosen des International Institute of Forecasters (IIF) herangezogen. *Daten per Q4 2018 für die Auslandsverschuldung. 

Breakeven-Erdölpreis – Einige Gegensätzlichkeiten

Erdöl-Exporteure können unterschiedlich stark von Ölpreisschwankungen betroffen sein. Wie sie damit zurechtkommen, hängt weitgehend von ihrem externen Breakeven-Preis ab – dem Preis, der nötig ist, damit das Land seine Importe bezahlen kann.

  • Erdöl-Exporteure mit niedrigem Breakeven: Iran, Kuwait, Katar, Russland, Saudi-Arabien, VAE
    Diese Länder haben hohe Ersparnisse, was sich in einem Leistungsbilanzüberschuss widerspiegelt. Dieser wird für den Kauf ausländischer Vermögenswerte verwendet. Die Leistungsbilanz Kuwaits betrug 2019 7% des BIP2, dürfte sich in 2020 aber stark verschlechtern, wie die Abb. 1 oben zeigt. Ein externer Breakeven-Preis unter dem aktuellen Ölpreis gibt der Regierung die Möglichkeit, ihre Fiskalpolitik zu lockern oder die Währung wertet auf. Auf diese Länder entfallen 39,4% des von Erdöl exportierenden Ländern weltweit bereitgestellten Erdöls.3
  • Erdöl-Exporteure mit hohem Breakeven: Algerien, Angola, Kolumbien, Kasachstan, Nigeria, Oman
    Diese Länder nutzen ihre Erdöl-Erlöse für höhere Importe. Da sie keine finanziellen Puffer haben, sind sie womöglich von einer Beschränkung ihrer Ausgaben oder einer Währungsabwertung bedroht, vor allem, wenn der Ölpreis unter ihren externen Breakeven-Preis fällt. Auf sie entfallen 9,4% des von Erdöl exportierenden Ländern weltweit bereitgestellten Erdöls.4

Der globale externe Breakeven-Preis erreichte 2013 einen Höchststand, als der globale Ölpreis auf 100 US-$/Barrel stieg (Abb. 2).

Alle Länder korrigierten den externen Breakeven-Preis nach unten, indem sie Aufwendungen für Importe reduzierten. Dies führte zu einer Verbesserung ihrer Leistungsbilanz von -1,1% des BIP im Jahr 2015 auf 4,8% in 2018.5 Die Korrektur fiel bei Erdöl-Exporteuren mit hohem externem Breakeven stärker aus.

Nach dem Höchststand in 2013 korrigierten die Länder ihren Breakeven-Ölpreis nach unten, hauptsächlich durch eine Reduzierung ihrer Aufwendungen für Importe
Abb. 2 – Externer Breakeven nach Gruppen von Erdöl-Exporteuren & Entwicklung des Brent-Ölpreises
Abb. 2 – Externer Breakeven nach Gruppen von Erdöl-Exporteuren & Entwicklung des Brent-Ölpreises

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Bloomberg, BP; Juli 2020.

Aufgrund rückläufiger Importe lag der Composite Breakeven 2018 bei 55 US-$/Barrel.

Aktuell sind Erdöl-Exporteure mit hohem Breakeven am anfälligsten für einen Rückgang des Ölpreises. Ihr externer Breakeven lag 2019 bereits über dem globalen Ölpreis und dürfte 2020 weiter steigen (Abb. 3). Der Abstand wird bei Exporteuren mit niedrigem Breakeven kleiner sein, obwohl auch deren Position sich gegenüber 2019 weiter verschlechtert hat.

Erdöl-Exporteure mit hohem Breakeven sind am meisten gefährdet
Abb. 3 – Externer Breakeven nach Land im Vergleich zum Brent-Ölpreis
Abb. 3 – Externer Breakeven nach Land im Vergleich zum Brent-Ölpreis

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Bloomberg, BP; Juli 2020.

Generell dürfte der globale externe Breakeven-Preis den globalen Ölpreis übersteigen. Kolumbien und Algerien (die zur Gruppe mit hohem Breakeven gehören) sind anfällig für einen Ölpreisrückgang, während die VAE und Russland (die traditionell einen niedrigen Breakeven haben) am widerstandsfähigsten erscheinen.

  

Der jüngste Rückgang des Ölpreises hat grosse Erdöl exportierende Volkswirtschaften belastet. Die Gruppe ist jedoch nicht homogen – einige Länder (z. B. Russland, Saudi-Arabien) sind widerstandsfähiger als andere (z. B. Oman, Kolumbien, Kasachstan). Wir können die Länder, die am anfälligsten und am wenigsten anfällig sind, anhand verschiedener Indikatoren (unserer eigenen Anfälligkeits-Scorecard für den Ölpreis) identifizieren.

Der externe Breakeven-Preis ist ein wesentlicher Indikator dafür, wie gut diese Länder mit einem Rückgang des Ölpreises zurechtkommen. Da dieser Preis in diesem Jahr über den globalen Ölpreis steigen dürfte, wird der Druck auf Volkswirtschaften mit hohem Breakeven zunehmen.