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Monatliches Konjunktur- und Finanzmarktbild

September 2019

Eine zweigeteilte (noch) nicht rezessive Welt

Der neu entflammte Handelsstreit zwischen den USA und China drückt die Stimmung bei Investoren und Unternehmen.

Pictet Asset Management, September 2019


Der August war für die meisten risikobehafteten Anlageklassen wie z.B. Aktien kein guter Monat. Der MSCI Welt hat um etwa 2% an Wert verloren, wobei der grosse Verlierer des Monats die Schwellenländeraktien waren. Diese haben unter dem erneut entflammten Handelsstreit zwischen der US und der chinesischen Regierung gelitten. Dieser hat die Stimmungslage nicht nur bei den Investoren, sondern auch bei den Unternehmen negativ beeinträchtigt, was zu einer Erhöhung der Rezessionsrisiken geführt hat. Stark profitiert von dieser Entwicklung haben neben dem Goldpreis, der um über 7% in die Höhe schoss, die globalen Staatsobligationen, welche innert Monatsfrist in Lokalwährung um erstaunliche 3% zulegen konnten. Eine solche Monatsperformance im festverzinslichen Bereich ist äusserst selten.

Grosse Divergenz zwischen Industrie und Dienstleistungssektor

Der vor gut anderthalb Jahren vom US-amerikanischen Präsidenten induzierte Handelskrieg hat den globalen Handel stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Einbruch der globalen Exporttätigkeit hat die offenen, exportorientierten Volkswirtschaften wie Deutschlands, Japans, Südkoreas und andere Schwellenländer stark getroffen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass die deutsche Volkswirtschaft, welche noch kürzlich als der Motor Europas galt in letzter Zeit rezessive Zeichen aussendet und sich in einem deutlich schlechteren Zustand befindet als die französische oder spanische. Der in diesen Ländern stark präsente und mit dem globalen Handel eng vernetzte Industriesektor ist in den letzten Monaten unter starken Druck geraten und wächst kaum mehr (Grafik 1). 
Nachlassende globale Industrieproduktion
Chart1.png

Pictet Asset Management, Datastream, 26.08.2019 

Die schwierige Lage in der Industrie weckt die Angst einer globalen Rezession, wie in der Inversion der meisten Zinskurven oder beim Rückgang der industriellen Stimmungsindikatoren ersichtlich ist. Trotzdem ist eine Rezession in den nächsten Monaten (noch) nicht das wahrscheinlichste Szenario.
Aufgrund der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt ist die Krise in der Industrie für den globalen Konsumenten noch nicht spürbar. Folglich ist die Stimmung unter den Konsumenten in einem deutlich besseren Zustand als unter den Industriemanagern (Grafik 2).
Grosse Divergenz unter den Stimmungsindikatoren
Chart2.png

Pictet Asset Management, Datastream, 26.08.2019

Sollte sich aber der Handelsstreit weiter verschärfen, würde das Rezessionsszenario wahrscheinlicher werden. Dass dies die Chancen einer Wiederwahl Donald Trump’s reduzieren würde, ist verständlich. Trotzdem bleibt es unklar, wie weit der Präsident in dieser Auseinandersetzung gehen will.  

Die Rolle der Fiskalpolitk

Das stark nachlassende globale Wachstum hat bereits dazu geführt, dass eine Reihe von Notenbanken ihre Geldpolitik angepasst und meistens die Leitzinsen gesenkt haben. Dazu gehört die US-amerikanische Notenbank, welche zum ersten Mal nach zehn Jahren eine Leitzinssenkung vorgenommen hat. Da die Möglichkeiten der Geldpolitik in den letzten Jahren weitgehend ausgenutzt wurden und das weitere Waffenarsenal limitiert ist, wird in der Finanzwelt trotz des sehr hohen Niveaus der Staatsschulden zunehmend der Wunsch nach einem grösseren Beitrag der Fiskalpolitik geäussert. Das Hauptargument für den Einsatz fiskalpolitischer Ausgaben besteht darin, dass die Regierungen zu sehr tiefen Zinsen Finanzmittel aufnehmen können. Da der private Sektor nur zögerlich von diesen günstigen Konditionen profitiert und weiterhin mehr spart als ausgibt, soll der Staat als Nachfrager aufkommen und die Lücke schliessen.

Diese Logik macht Sinn für Länder, welche gesunde Finanzen und Leistungsbilanzüberschüsse ausweisen wie Deutschland (Grafik 3) oder Japan. Länder, die in der Leitungsbilanz Defizite haben, bräuchten dagegen die Finanzmittel des Auslands um grosszügige Fiskalpakete umzusetzen, was zu mehr Risiken für die Finanzierung ihrer künftigen Verpflichtungen und damit ihrer Währung verbunden ist. Auf jeden Fall machen höhere Staatsausgaben Sinn, wenn die entsprechenden Projekten einen hohen Multiplikator vorweisen können. In Deutschland wird zum Beispiel über Investitionen im Bereich der sogenannten «grünen Energie» diskutiert.    

Deutschland spart zu viel
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Pictet Asset Management, Datastream, 26.08.2019

Risiken breit verteilt
Unsere Anlagepolitik bleibt unverändert breit diversifiziert. Neben unserer Aktienuntergewichtung sind wir in den defensiven Aktiensektoren wie Gesundheit oder nicht zyklische Konsumgüter sowie im Schweizer Aktienmarkt übergewichtet, wobei wir diese Übergewichtung aufgrund der sehr guten Performance der letzten Wochen leicht reduzieren. Gleichzeitig halten wir Positionen in zyklischeren Bereichen des Marktes wie der Informationstechnologie und den einheimischen chinesischen Aktien, welche wir weiterhin als strukturell attraktiv betrachten.