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Schwellenländer

Emerging Markets Monitor

November 2017

Von Patrick Zweifel, Chief Economist

Unsere monatliche Auswahl der wichtigsten Diagramme und Trendkurven aus dem Schwellenländeruniversum. 

01

Einschätzung zu China

Die schiere Grösse Chinas und seine Produktion
Abb. 1 T-Shirt-Produktion in China 

Ein Beispiel für die Überkapazität des Landes

T-Shirt-Produktion in China
Quelle: Yi Wen (2015) The making of an economic superpower – Unlocking China’s secret of rapid industrialization, Working Paper, Federal Reserve Bank of St. Louis.
 

sind zu einem Klischee verkommen.

Fast jedes vierte Industrieerzeugnis wird in China hergestellt.

Die Politiker in China bewegen sich mit ihren Massnahmen zum Schuldenabbau und zur Belebung der Wirtschaft auf einem schmalen Grat.

Die grosse Frage lautet: Wie viel Wachstum wird das Land dabei opfern?

Was bedeutet der chinesische Politikmix für das Wachstum?

Die im vergangenen Monat auf dem 19. Nationalkongress von Staats- und Parteichef Xi Jinping vorgestellten politischen Massnahmen, die der chinesischen Wirtschaft und Bevölkerung ein „besseres Leben“ bescheren sollen, lassen ein langsameres Wirtschaftswachstum erahnen, deuten aber insgesamt auf eine nachhaltigere Zukunft für China hin. 

Abb. 2 19. Parteikongress der Kommunistischen Partei Chinas: Politik und deren Auswirkungen
Fig2_ChinaPolicies.png
Quelle: Pictet Asset Management, November 2017

In Sachen Politik sind die beiden konjunkturbelebenden Initiativen vielleicht ambitioniert, reichen aber nicht aus, um die Auswirkungen der restriktiveren Massnahmen zu kompensieren.

Details werden Ende Dezember auf der Zentralen Ökonomischen Arbeitskonferenz bekannt gegeben.

Könnte die hohe Verschuldung eine Krise auslösen?

Mit aktuell  250 % des BIP  ist die Schuldenlast Chinas zwar gross, aber unter Kontrolle.

Abb. 3. Gesamtverschuldung Schwellenländer nach Branchen und Märkten
Q1 2017, % BIP
Fig3_TotalEMDebtBySectorAndMkts.png
Quelle: Pictet Asset Management, BIS, CEIC, Datastream, Daten aus Q1 2017

Die grössten Risiken sind die finanzielle Liberalisierung und die Öffnung der Kapitalbilanz – beides waren Auslöser der vergangenen Finanzkrisen in Schwellenländern. Es gibt jedoch auch abschwächende Faktoren, wie vor allem folgende:

  1. Die größten Gläubiger (Grossbanken) und Schuldner (2/3 der Unternehmensverschuldung entfallen auf staatseigene Betriebe) befinden sich im Eigentum des Staats.
  2. China ist kaum im Ausland verschuldet, sondern im Wesentlichen im eigenen Land.

Was unternimmt China, um seine Verschuldung in den Griff zu bekommen?

Abb. 4 Chinesische Politik, kurz- und langfristige Zinssätze
Fig4_ChinesePolicy_ShortAndLongTermRates_Centered.png
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Daten vom 13.11.2017

Die straffere Geldpolitik hat dazu beigetragen, die mit der chinesischen Schuldenlast verbundenen Risiken zu verringern. Seite Ende letzten Jahres haben die Währungshüter des Landes einen stetigen Anstieg der Geldmarktsätze zugelassen. Infolgedessen sind die Zinssätze von ihren Tiefständen im Oktober 2016 gestiegen (Abb. 4).

Diese Straffung trägt zu einer Stabilisierung der Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung des RMB im Vorfeld des Zinsanhebungszyklus in den USA bei, da der Spread zwischen China und den USA in Schach gehalten wird.

Mit welchen Wachstumsraten ist in den kommenden zehn Jahren zu rechnen?

Die chinesische Wirtschaft reift – das Land ist mittlerweile der drittgrösste Anleihemarkt, die zweitgrösste Volkswirtschaft und seit 2010 der grösste Produzent. Der Unternehmenssektor ist allerdings massiv überschuldet. Und die Geschichte hat uns gelehrt, dass dies niedrigere zukünftige Wachstumsraten zur Folge hat.

Mit welcher Wachstumsrate ist in Zukunft zu rechnen? 

Wir haben die Entwicklung des Wachstums auf Basis von drei Berechnungsmodellen geschätzt: Verschuldungsgrad sieben Jahre vor und nach dem Höchststand, Pro-Kopf-BIP und Produktionsfaktoren (Abb. 5).

Alle drei Ansätze deuten auf ein Wachstum von 4-5 % in den kommenden fünf bis sieben Jahren hin.

Daher gehen wir davon aus, dass die Wachstumsziele ab kommendem Jahr für die nächsten Jahre gesenkt werden, während der Umbau der Wirtschaft – Konsum statt Investitionen – weitergehen dürfte.

 
Abb. 5 BIP-Wachstum in China nach Produktionsfaktoren
Die Produktionsfunktion lautet: Y=A∙F(K,N)
Fig5_ChGDPGrowth.png

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten bis Januar 2016, ausser bei den Daten zum möglichen Wachstum, hier bis Januar 2020.  * Gemischte Prognose: inflationsstabiles Wachstum der Produktion, HP-Filter, Bevölkerung im Erwerbsalter. 

 

Shenzen
Die Stadt Shenzhen in China. 

02

Ansichten unseres Spezialistenteams für Schwellenländeraktien

Von Gita Ramakrishnan, Senior Investment Manager

Ende gut, alles gut? –  Chinas Reform staatseigener Betriebe

Nach vielen Fehlstarts in der Vergangenheit sind wir zunehmend optimistisch, dass sich die geplanten Reformen der staatseigenen Betriebe in China positiv auf die Renditen für die Aktionäre auswirken. 

Auch wenn das Reformvorhaben kein einfaches Unterfangen ist, gehen wir davon aus, dass sich dadurch die Kapitaleffizienz erhöhen wird und die Aktienerträge durch höhere Dividenden und Kapitalrückflüsse steigen.

Abb. 6 Dividendenertrag Schwellenländer im Vergleich zu ROE

Höhere Dividenden und Kapitalrückflüsse dürften in China zu höheren Aktienerträgen führen.

Fig6_EMDivYield.png
Quelle: Bloomberg, Daten vom 13.11.2017

Ein entscheidender Faktor ist die Höhe des Liquiditätsüberschusses in den Bilanzen der staatseigenen Betriebe, mit denen die hohe Verschuldung im System ausgeglichen wird.

A-Aktien werden ab nächstem Jahr nach und nach in den MSCI EM Index aufgenommen, was für alle Schwellenländer-Anleger eine wichtige Entwicklung ist.

Wir arbeiten gerade an einem längeren Beitrag zu diesem Thema. Falls Sie mehr darüber erfahren möchten, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.

03

Marktbeobachtung

Abb. 7 Wichtige Marktdaten

31.10.2017

Fig7_Nov17MarketData.png
Quelle: Datastream, Bloomberg, Datum vom 31.10.2017, in USD. Angaben zu den Aktienindizes auf Basis der Wiederanlage der Nettodividenden; Angaben zu Anleihen- und Rohstoffindizes auf Basis der Gesamtrendite. Die Entwicklung der Wechselkurse wird als Performance-Berechnung basierend auf den Währungskursen herangezogen.