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Schwellenländer

Einzelhandelsumsätze in Schwellenländern

Sind die schwachen Einzelhandelsumsätze ein schlechtes Omen für die Schwellenländer?

März 2019

Von Patrick Zweifel, Chief Economist

Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze in den Schwellenländern verläuft seit sechs Monaten schleppend. Müssen sich die Anleger Sorgen machen?

Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze in den Schwellenländern ist in den letzten sechs Monaten von 6% auf 4% gesunken, wie aus Abb. 1 unten hervorgeht.

Schauen wir uns einmal an, was hinter diesem plötzlichen Rückgang steckt.

Abb. 1 – Starker Rückgang der Einzelhandelsumsätze in den Schwellenländern in den letzten sechs Monaten
Einzelhandelsumsätze Industrie- und Schwellenländer (Volumen, % im Jahresvergleich, gleitender 3-Monats-Durchschnitt)
Einzelhandelsumsätze Industrie- und Schwellenländer
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten für Industrieländer bis November 2018; Daten für Schwellenländer bis Dezember 2018.

China, Türkei und Argentinien sind eine schwere Last

Das Wachstum der Auto-Umsätze – eine wichtige Komponente der Einzelhandelsumsätze – ist im November 2018 auf -5,4% im Jahresvergleich gefallen, der niedrigste Stand seit zehn Jahren (siehe Abb. 2 unten). 

Lassen wir jedoch China, die Türkei und Argentinien aussen vor, verzeichneten die Auto-Umsätze in den Schwellenländern einen beeindruckenden Anstieg von 9,7% in diesem Zeitraum. Dies macht deutlich, welch starken Einfluss diese drei Volkswirtschaften auf den Gesamtwert haben.

Abb. 2 – Auto-Umsätze in den Schwellenländern: Licht am Ende des Tunnels? 
Auto-Umsätze Schwellenländer (Volumen, % im Jahresvergleich, gleitender 3-Monats-Durchschnitt)
Auto-Umsätze Schwellenländer
Quelle: Pictet Asset Management, BIS, CEIC, Datastream, 31.12.2018.

Wir machen uns aus folgenden Gründen keine allzu grossen Sorgen wegen des abnehmenden Wachstums in diesen drei Volkswirtschaften:

  1. In China hat die Regierung die Steuer auf das Einkommen der privaten Haushalte und die Mehrwertsteuer (von 16% auf 13% bei Fertigerzeugnissen und von 10% auf 9% bei bestimmten Dienstleistungen) gesenkt1. Zusammen mit den geldpolitischen Impulsen stützt dies den Konsum. Die chinesischen Einzelhandelsumsätze (ohne Autos) ziehen wieder an und verzeichneten im Januar einen Anstieg von 10,4% im Jahresvergleich2.
  2. In Argentinien und der Türkei ist der Rückgang der Auto-Umsätze um fast 50% mit dem hohen Leitzinsniveau zu erklären – in beiden Ländern haben die Regierungen die Kontrolle über die Inflation verloren. Es handelt sich hierbei weitgehend um isolierte Ereignisse, die kein Risiko für das breitere Schwellenländeruniversum darstellen.

Die Auto-Umsätze steigen langsam wieder, dadurch erhöhte sich das Umsatzwachstum ausserhalb dieser drei Volkswirtschaften im Dezember 2018 auf 11%.

Von diesen drei Ländern abgesehen – wie wird sich die Binnennachfrage in den Schwellenländern entwickeln?

Der private Konsum hängt eng mit dem Arbeitsmarkt zusammen, von dem es in den Schwellenländern insgesamt nur Erfreuliches zu berichten gibt. Wie aus Abb. 3A unten hervorgeht, ist die Arbeitslosenquote in den Schwellenländern weiter niedrig.
Robuster Arbeitsmarkt und zu erwartender Anstieg der Reallöhne in den Schwellenländern, wenn die Inflation zurückgeht
Abb. 3A (links) – Privater Konsum & Arbeitslosenquote Schwellenländer (Veränderung über 1 Jahr)/ Abb. 3B (rechts) – Privater Konsum & Reallöhne Schwellenländer
fig3
Quelle: Pictet Asset Management, BIS, CEIC, Datastream. Daten zum privaten Konsum bis August 2018; Daten zu den Reallöhnen in den Schwellenländern bis November 2018; Daten zur Arbeitslosenquote in den Schwellenländern bis Dezember 2018.

Sorge bereitet allein das schwache Wachstum der Reallöhne, das zwischen Juni 2012 und November 2018 von 6,8% auf 3,3% gesunken ist (Abb. 3B).

Eine hohe Inflation aufgrund von Währungsabwertungen hatte den Druck auf die Löhne erhöht. Aber der Inflationstrend scheint sich langsam umzukehren, was darauf schliessen lässt, dass es sich um einen vorübergehenden Schock handelt und die Reallöhne wieder anziehen. Das wiederum dürfte die privaten Haushalte in Ausgabelaune versetzen.

Dies bestätigt auch unsere eigene Kennzahl für den privaten Konsum in den Schwellenländern, die auf einen mittelfristigen Anstieg hindeutet (Abb. 4).

Indikator von Pictet AM deutet auf mittelfristigen Anstieg des privaten Konsums in den Schwellenländern hin
Abb. 4 – Privater Konsum in Schwellenländern (mittelfristige Funktion)
Privater Konsum in Schwellenländern
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. * Mittelfristiger Indikator: F(Vertrauen der Verbraucher, Arbeitslosenquote, Reallöhne). Daten zum privaten Konsum in Schwellenländern bis August 2018; Daten zur mittelfristigen Funktion bis Dezember 2020.
Alles in allem sind wir weiterhin zuversichtlich, dass sich die Volkswirtschaften der Schwellenländer trotz rückläufiger Einzelhandelsumsätze behaupten können. Dieser Abschwung, der hauptsächlich auf die Auto-Umsätze zurückzuführen ist, beschränkt sich weitgehend auf drei Länder: Argentinien, Türkei und vor allem China. Argentinien und die Türkei stellen kein systemisches Risiko für die Schwellenländer dar und wir rechnen nicht mit einer harten Landung in China, vor allem nicht, wenn die Handelsgespräche mit den USA einen positiven Ausgang finden. Wir sind zuversichtlich, dass sich das seit Dezember 2018 zu beobachtende Wachstum des privaten Konsums in den Schwellenländern fortsetzt.
Stéphane Couturier für Pictet

MARKTBEOBACHTUNG

Daten zur Marktbeobachtung

28.02.2019

Marktbeobachtung Schwellenländer
Quelle: Datastream, Bloomberg; Daten vom 28.02.2019, in USD. Angaben zu den Aktienindizes auf Basis der Wiederanlage der Nettodividenden; Angaben zu Anleihen- und Rohstoffindizes auf Basis der Gesamtrendite. Die Entwicklung der Wechselkurse wird als Performance-Berechnung basierend auf den Währungskursen herangezogen. * Chinabond Composite in Verbindung mit dem Bloomberg Barclays China Composite zum 31.12.2018.