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Verantwortungsvolles Investieren

Leitfaden für ESG-Investments

Wir lüften das Geheimnis um nachhaltige Investments

April 2019

Nachhaltig zu investieren bedeutet viel mehr als einfach nur „verwerfliche“ Aktien zu meiden. Es kann auch finanziell sinnvoll sein.

Wie gut kennen Sie Ihre Investments? Die meisten Anleger investieren, um ihre Zukunft und die ihrer Familien abzusichern. Dabei machen wir uns nicht immer Gedanken darüber, wie die Unternehmen, in die wir investieren, möglicherweise diese Zukunft beeinflussen. Achten sie auf die Umwelt, die Gesellschaft, ihre Mitarbeiter oder ihre Aktionäre?

Hier kommt ESG ins Spiel: Umwelt, soziale Belange und Unternehmensführung. Für grosse institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherer ist die Einbettung von ESG in den Investmentprozess mittlerweile ein Muss. Aber auch Privatanleger beschäftigen sich zunehmend mit diesem Thema.

Es ist wichtig, dass wir uns um unseren Planeten und unsere Gesellschaft kümmern. Die Vorteile von verantwortungsbewusstem Investieren haben aber nicht nur eine ethische Dimension. Ein ESG-Filter kann neue Anlagemöglichkeiten aufzeigen, Probleme in Unternehmen aufdecken, bevor sie sich im Finanzergebnis niederschlagen, und Renditen langfristig zukunftssicher machen, wenn sich Regulierung und Konsumgewohnheiten verändern.

Viele Wege führen zum Ziel

Wie funktioniert das in der Praxis? Im Wesentlichen gibt es vier verschiedene Ansätze für ESG-Investments. Alle diese Ansätze stehen Privatanlegern zur Verfügung – über die Wahl der Fonds, in die sie investieren, bzw. der Vermögensmanager, denen sie ihr Geld anvertrauen. 

Der erste Weg ist das Screening. Das ist die älteste und bekannteste Form von verantwortungsbewusstem Investieren – dabei werden potenziell umstrittene Produkte wie Tabak, Waffen, Glücksspiel und Alkohol gemieden. Vor allem Anleger wie Wohltätigkeitsorganisationen, Stiftungen und Glaubensgemeinschaften favorisieren diesen Ansatz und nehmen ihn sehr ernst.

Der zweite Weg ist Stewardship – das heisst, inwieweit sich die Fondsmanager bei den Unternehmen, in die sie investieren, für positiven Wandel einsetzen. 

Vier Wege zu verantwortungsbewussten Investments
Vier Wege zu nachhaltigen Investments
Quelle: Mercer

Der dritte Weg ist die Einbeziehung wesentlicher ESG-Überlegungen in Entscheidungen und Investmentanalysen. Es geht nicht unbedingt darum, Unternehmen auszuschliessen, sondern sich mit deren Nachhaltigkeitsmerkmalen auseinanderzusetzen und Anlageentscheidungen mit dem Wissen darum zu treffen.

Der vierte Weg ist sicherlich der direkteste, bei dem man sich über moralische oder andere Dimensionen keine Sorgen zu machen braucht: Investitionen in nachhaltigkeitsbezogene Themen wie emissionsarme Energie, Gesundheit oder Wasser, die langfristig das Potenzial haben, attraktive Renditen zu erwirtschaften.  

Es gibt viele interessante Anlagestrategien in diesem Bereich, längst nicht mehr nur bei börsennotierten Aktien, sondern auch bei Infrastruktur, Private-Equity und Anleihen. Vor allem saubere und erneuerbare Energie stehen im Fokus, weil institutionelle Anleger ihre Portfolios zunehmend „dekarbonisieren“ möchten.

Klimawandel geht uns alle an

Klimawandel ist heutzutage ein Thema, über das in den Medien viel und oft berichtet wird. Er ist ein gutes Beispiel sowohl für die Chancen, die ein ESG-Ansatz mit sich bringen kann, aber auch für die Risiken, die sich damit vermeiden lassen. Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, das Ganze ist mehr eine Mobilmache nach dem Geschmack der Politiker als im Sinne der Altersvorsorgesysteme.

Warum also sollte es die Anleger interessieren? Die politischen Massnahmen, die nötig sind, um dem Klimawandel entgegen zu wirken – die sich früher bemerkbar machen werden als die physischen Auswirkungen – werden ohne Zweifel erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben und das werden die Anleger auch in ihren Portfolios zu spüren bekommen.

Für die Zukunft investieren
Zentrale Bereiche themenbezogener, nachhaltiger Investments
Zentrale Bereiche themenbezogener, nachhaltiger Investments
Quelle: Mercer

Nach dem Pariser Klimaabkommen1 haben sich 196 Nationen dazu verpflichtet, die globale Erwärmung bis 2100 auf zwei Grad Celsius zu begrenzen – wird diese Grenze überschritten, dürfte dies wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge schwerwiegende Folgen für unseren Planeten haben. Angesichts dessen, dass auf der Welt den Prognosen zufolge dann 7–10 oder sogar 12 Milliarden Menschen leben werden – und mehr Menschen bedeutet ein höherer Energie- und Grundstoffbedarf – stellt dies eine enorme Herausforderung für die Eindämmung oder auch nur Reduzierung der CO2-Emissionen dar. Um das 2-Grad-Ziel erreichen, braucht es viele neue politische Massnahmen und Vorschriften sowie neue und bessere (d. h. emissionsärmere) Möglichkeiten der  Energiegewinnung. Eine Studie der Consulting-Agentur Mercer hat gezeigt, dass die Anlagerenditen in einem Szenario von 2, 3 und 4 Grad negativ beeinflusst werden – und dass das Verständnis der Auswirkungen auf Ebene der Anlageklassen und Branchen eine besondere Relevanz für Anleger haben.

In einem 2-Grad-Szenario zum Beispiel dürften Industrieländeraktien im Allgemeinen – und die Branchen Energie und Versorger im Besonderen – aufgrund erheblicher Beschränkungen, die emissionsintensiven Branchen auferlegt werden, unter Druck geraten. Schwellenländeraktien hingegen dürften von Kapitalspritzen profitieren, die ihnen den Übergang zu einer emissionsärmeren Wirtschaft erleichtern. Für reale Anlagen wie Infrastruktur und Immobilien werden Anreize erforderlich sein, um neue Anlagen von Anfang an „ökologisch“ zu gestalten und vorhandene Anlagen zu „dekarbonisieren“.

Es gibt aber nicht nur Risiken, sondern auch Chancen: Mit der Bewältigung der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen lässt sich auch Geld verdienen. Wir machen dies an dem wachsenden Interesse der Anleger an nachhaltigkeitsbezogenen Strategien fest, aber auch an der leisen Verlagerung des Fokus in vielen traditionellen Branchen wie Automobil und Energie. Wer auf ESG achtet, kann mehr aus seinen Investments machen.