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Absolute Return Fixed Income: bessere Anleihenanlagen in einem unsicheren Umfeld

 
Dezember 2016

Von Andres Sanchez Balcazar, Head of Global Bonds

Mit Absolute-Return-Fixed-Income-Strategien sind Anleger selbst bei unerwarteten Ereignissen gegen Marktvolatilität gewappnet.

 

Die Anleihenrenditen steigen deutlich, die Zentralbanken bereiten eine Verringerung ihrer Stimulierungsmassnahmen vor, und die politischen Unsicherheiten überschatteten weite Teile der Industrieländer. In einem derart schwierigen Umfeld, in dem sich Anleihenanleger nicht mehr auf sinkende Zinsen als Performancetreiber verlassen können, könnten sich flexible Absolute-Return-Strategien als verlässlichere Ertragsquelle und besserer Kapitalschutz erweisen.

Dabei geht es nicht nur darum, Wertsteigerungschancen am Markt zu erkennen, sondern dies mit einer stringenten Szenarioanalyse zu verbinden, die ein günstigeres Risiko-Ertrags-Verhältnis anstrebt. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sich langfristig gut entwickeln dürfte.

Schwellenmarkturbulenzen meistern

Wie funktioniert dies in der Praxis?

Unsere Anlagepositionierung in den Schwellenländern bietet ein gutes Beispiel.

Schwellenmarktanleihen in Hartwährung gehören zu den Anlagen, von denen wir auf mittlere Sicht am stärksten überzeugt sind. Wir bevorzugen die Anlageklasse, da sie sich durch günstige Bewertungen auszeichnet und staatliche Emittenten in den Schwellenländern hohe Kapazitäten und eine grosse Bereitschaft zur Schuldentilgung aufweisen. Die Anlageklasse gehörte in den ersten neun Monaten des Jahres zu den Performance-Spitzenreitern im festverzinslichen Bereich. In Anbetracht der derzeit niedrigen Renditen war der Ertrag von 8,5% erstaunlich gut. Im November kehrte sich die Lage allerdings um. Donald Trumps Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen und der stärkere US-Dollar lösten eine massive Verkaufswelle aus. Darauf waren wir allerdings vorbereitet.

Als wir uns für eine Anlage in Schwellenmarktanleihen entschieden, hatte die Szenarioanalyse auf potenzielle Volatilität hingedeutet. Um das Portfolio demnach gegen mögliche Schwankungen am Markt abzusichern, sind wir zusätzlich Short-Positionen bei Schwellenmarktwährungen gegenüber dem US-Dollar eingegangen. Dadurch liess sich unseres Erachtens ein günstigeres Risiko-Ertragsprofil erreichen. Die Position zahlt sich allmählich aus.

Da die Anleger von lateinamerikanischen in asiatische Anleihen umschichteten, werteten die Währungen der entsprechenden Länder ab. Tatsächlich gaben die Devisenmärkte stärker nach als festverzinsliche Anlagen.

SHORT-POSITIONEN BEI SCHWELLENMARKTWÄHRUNGEN BIETEN SCHUTZ IN SCHWÄCHEPHASEN BEI SCHWELLENMARKTANLEIHEN

SHORT-POSITIONEN BEI SCHWELLENMARKTWÄHRUNGEN BIETEN SCHUTZ IN SCHWÄCHEPHASEN BEI SCHWELLENMARKTANLEIHEN
Quelle: Pictet Asset Management, Barclays Global Indices
Die Kombination aus Long-Positionen bei auf US-Dollar lautenden Schwellenmarktanleihen und Short-Positionen bei Schwellenmarktwährungen erzielte im Jahresverlauf gute Erträge, was uns Vorteile gegenüber Anlegern mit reinen Long-Positionen bei Schwellenmarktanleihen brachte.

Vorbereitung auf Trump: zwei Szenarien

Wir halten auch nach dem Jahreswechsel an dieser Schwellenmarktanlagekombination fest. Die Short-Position bei Schwellenmarktwährungen dürfte gute Erträge einbringen, wenn der designierte US-Präsident seine Ankündigung wahr macht und restriktiv in den Welthandel eingreift. Sollte er seine Haltung zum Protektionismus lockern, würde dies hingegen den Anleihepositionen zugutekommen. Wir haben mögliche Kehrtwenden Trumps auch in anderer Weise in unserem Portfolio berücksichtigt. So könnte er in seinen ersten 100 Tagen als Präsident seine Politik vorantreiben und so viel wie möglich zu erreichen versuchen.

Darunter fiele die Umsetzung seiner Wahlversprechen zu fiskalpolitischen Stimulierungsmassnahmen, wie z.B. eine Senkung der Unternehmenssteuern von 35% auf 15% und eine Erhöhung der Infrastrukturausgaben um 500 Mrd. USD. Um diesen fiskalischen Anreizen und dem damit einhergehenden Inflationsdruck entgegenzuwirken, würde die US Federal Reserve (Fed) die Zinsen wohl schneller anheben. An den Finanzmärkten dürfte sich der Dollar gut gegenüber Schwellenmarktwährungen behaupten und von der geldpolitischen Straffung seitens der Fed sowie der von Trump ausgelösten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums profitieren.

In einem anderen Szenario gehen wir davon aus, dass Trump seine Politik nicht so schnell wird vorantreiben können, und dass einige Massnahmen moderater ausfallen oder im Laufe der Zeit gar ganz aufgegeben werden könnten. Der Status quo – relativ geringe fiskalische Anreize, eine freundliche Haltung zum Welthandel und eine allmähliche Straffung seitens der Fed – würde dann noch eine Weile Bestand haben. In diesem Fall erkennen wir Wertsteigerungspotenzial bei US-Treasuries längerer Laufzeit und Investment-Grade-Unternehmensanleihen, da beide Anlagen ein deutlich höheres Inflationsniveau einpreisen als sich tatsächlich einstellen dürfte.

Anstatt zu versuchen, Trumps Vorgehensweise vorherzusagen – eine undankbare Aufgabe –, halten wir es für umsichtiger, sich für alle Eventualitäten zu wappnen. –  
Anstatt zu versuchen, Trumps Vorgehensweise vorherzusagen – eine undankbare Aufgabe, wie jüngste Ereignisse belegen –, halten wir es für deutlich umsichtiger, sich für alle Eventualitäten zu wappnen. Dies bedeutet eine Long-Position beim US-Dollar gegenüber Schwellenmarktwährungen, die durch eine leichte Übergewichtung 30-jähriger Treasuries und eine Allokation bei Anleihen von US-Industrieunternehmen ergänzt wird. Letztere dürfte sich in beiden Szenarien gut entwickeln, denn die US-Industrie profitiert von Trumps Inlandsfokus und seinen Versprechen, mehr Arbeitsstellen in den USA zu schaffen und die Infrastrukturausgaben zu erhöhen.

Die Kombination der Positionen dürfte, ungeachtet des Weges, den der designierte US-Präsident Trump einschlägt, zu attraktiven Erträgen führen. Zudem bieten alle Positionen für sich genommen attraktives Wertsteigerungspotenzial.

Absicherung der Risiken in Europa

Natürlich sind weltweit unzählige Szenarien denkbar, und es ist unmöglich, sich auf alle vorzubereiten oder diese gar vorauszusehen. Erfreulicherweise lassen sich viele Szenarien zu Anlagezwecken auf Grundlage der binären Ergebnisse, zu denen sie führen dürften, zusammenfassen.
Die Situation in Europa ist ein Paradebeispiel. Es sind viele Risiken vorhanden, einschliesslich der Präsidentschaftswahlen in Frankreich, der Bundestagswahlen in Deutschland und der möglichen Einstellung des quantitativen Lockerungsprogramms der Europäischen Zentralbank.

Gemeinsam sprechen diese potenziellen Gefahren dafür, dass sich Anleger auf eine Verkaufswelle bei riskanteren Anlageklassen gefasst machen sollten. Eine Möglichkeit, Portfolios vor diesem Szenario zu schützen, ist eine Short-Position bei italienischen Anleihen und, in geringerem Masse, bei französischen Anleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen.
RENDITESPREAD ZWISCHEN ITALIENISCHEN UND DEUTSCHEN ANLEIHEN WEITET SICH AUS
 
RENDITESPREAD ZWISCHEN ITALIENISCHEN UND DEUTSCHEN ANLEIHEN WEITET SICH AUS
Quelle: Pictet Asset Management, Thomson Reuters Datastream
Die Kehrseite ist, dass alle Hürden letzten Endes erfolgreich ausgeräumt werden könnten, was in der zweiten Jahreshälfte dann zu einem deutlichen Anstieg der Risikobereitschaft und einer Rally bei riskanteren Anlagen in Europa führen würde. Um auf dieses Szenario vorbereitet zu sein, haben wir uns bei Unternehmensanleihen aus dem Finanzsektor engagiert, der derzeit äusserst attraktive Bewertungen aufweist.

Das aktuelle, durch die Politik geprägte Umfeld in Europa steht im Einklang mit unserem langfristigen Ausblick für eine schrittweise und langwierige Entwicklung hin zu Reformen in der Euro-Zone, die mit vielen Risiken – und auch Anlagechancen – verbunden sind.

Keine Sorge um die Inflation

Insgesamt müssen Anleger im kommenden Jahr eine Vielzahl von Themen berücksichtigen. Eine Sache, die uns allerdings keine Sorgen bereitet, ist die Inflation. Damit weichen wir möglicherweise von der Meinung einiger Mitbewerber ab.

Es dürfte zwar auf kurze Sicht zu Aufwärtsdruck bei den Preisen kommen, nicht zuletzt, da die günstigen Basiseffekte aus der Vergangenheit allmählich nachlassen. Ebenfalls inflationsfördernd wirkt eine Erholung der Weltwirtschaft, vor allem über den Weg eines stärkeren Lohnwachstums in den USA.

Die Inflation würde aber ausgehend von sehr niedrigen Niveaus steigen, und weltweit haben die politisch Verantwortlichen bereits Vorkehrungen getroffen, einen etwaigen Anstieg zu begrenzen. Solange die wichtigen Zentralbanken ihrem Mandat zur Inflationskontrolle nachkommen, dürften die Preise unseres Erachtens nicht deutlich schneller steigen, als dies derzeit vom Markt eingepreist wird. Daher dürfte die Inflation in den kommenden Monaten nicht ausser Kontrolle geraten oder Niveaus erreichen, die aus Anlageperspektive besorgniserregend wären.